TVStud

Neue Löhne studentischer Beschäftigter deutlich unterhalb des bundesweiten Niveaus

Sächsischer Finanzminister setzt neue Löhne studentischer Beschäftigter deutlich unterhalb des bundesweiten Niveaus an.
27.03.2024
Neue Löhne studentischer Beschäftigter deutlich unterhalb des bundesweiten Niveaus

Die Gewerkschaft ver.di ist entsetzt über das Vorgehen des sächsischen Finanzmi­nisters bei den neuen Stundenlöhnen für die über 6.000 studentischen Beschäftig­ten, die zukünftig deutlich unter dem Niveau der westdeutschen Hochschulen blei­ben.

Zudem setzt die TU Chemnitz studentische Beschäftigte vor Vertragsabschluss unter Druck auf eine 12-monatige Mindestvertragslaufzeit zu verzichten.

„Dass der Finanzminister die Stundenlöhne der studentischen Kolleg:innen an den Hochschulen in Sachsen am untersten Ende des denkbaren Niveaus ansetzt, ist enttäuschend. Die studentischen Beschäftigten in Sachsen leisten ge­nauso gute Arbeit wie etwa ihre Kolleg:innen in NRW. Sie deutlich schlechter zu bezahlen ist Ausdruck mangelnder Wertschätzung. Wir fordern den Finanzminister auf, den Höchstsatz aus der Richtlinie der Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) zu zahlen“, führt ver.di Gewerkschaftssekretär Erik Wolf aus.

Weiter fügt der Gewerkschafter an: „Besonders enttäuschend ist, dass den studen­tisch Beschäftigten keine Jahressonderzahlung gegeben wird. Ne­ben den von uns geforderten Stundensätzen, die sich an der TdL-Richtlinie orientie­ren, fordern wir den Finanzminister außerdem auf, weitere tarifliche Regelungen auch den studentischen Kolleg:innen zu gewähren.“ Der TV-L sieht z.B. 30 Tage Urlaub im Jahr vor.

Nachdem die Gewerkschaften ver.di und GEW im Rahmen der Tarifverhandlungen für den Öffentlichen Dienst der Länder (TV-L) erstmals ein Mindeststundenentgelt für studentische Hilfskräfte erstritten haben, setzt der sächsische Finanzminister Hartmut Vorjohann (CDU) das neue Stundenentgelt deutlich niedriger an, als es die Richtlinie der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) eigentlich vorsah. Begründet wird dies durch eine unberechtigte Umrechnung der (höheren) sächsischen Normal­arbeitszeit auf das Lohnniveau von studentischen Beschäftigten.

Studentische Beschäftigte an sächsischen Hochschulen arbeiten jedoch grundsätz­lich mit einer geringen Stundenanzahl ohne Bezug zum Vollzeitstundenumfang.

Die jeweiligen Lohndifferenzen sind der folgenden Übersicht zu entnehmen:

 
Übersicht: Lohndifferenzen

Am Montag hatte die Konferenz sächsischer Studierendenschaften zudem aufgedeckt, dass die vom Gewerkschaftsbündnis TV STUD in Sachsen erstrittenen Mindestvertragslaufzeiten durch die TU Chemnitz systematisch unterlaufen werden (https://www.kss-sachsen.de/pm_04_24).

Den studentischen Beschäftigten wird dazu ein Formular vorgelegt, in dem sie angeben sollen, „freiwillig“ auf die Vertragslaufzeit von 12 Monaten zu verzichten.

„Anders ausgedrückt heißt das: Verzichte auf die dir zustehende Vertragslaufzeit und dann bekommst du die Stelle. Das Beispiel der TU Chemnitz zeigt, dass einige Arbeitgeber alle Möglichkeiten ausschöpfen, um die Vereinbarung der Tarifparteien zu unterlaufen. Ich nenne das Tarifflucht“, sagt Erik Wolf.