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Wir wurden vergessen

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Wir wurden vergessen

Dritte Corona-Prämie im Gesundheitswesen – ver.di kritisiert ungerechte Verteilung
Drit­te Co­ro­na-Prä­mie im Ge­sund­heits­we­sen – ver­.­di kri­ti­siert un­ge­rech­te Ver­tei­lung ver.di Dritte Corona-Prämie im Gesundheitswesen – ver.di kritisiert ungerechte Verteilung  – Chemnitz


Unter dem Motto: „Wir wurden vergessen“ hat die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft eine Kampagne ins Leben gerufen, die sich für die Auszahlung der Prämie an alle Beschäftigten einsetzt, die Corona-Patienten versorgt haben.


„Es ist nicht hinnehmbar, dass die Bundesregierung den Kreis der Anspruchsberechtigten einschränkt, einzelne Berufsgruppen bewusst ausschließt und damit in Kauf nimmt, dass Beschäftigte im Gesundheitswesen gegeneinander ausgespielt werden“, kritisiert Bernd Becker, Landesfachbereichsleiter für das Gesundheitswesen.

Eine Milliarde Euro sollen ausgeschüttet werden – zu gleichen Teilen an die Beschäftigten in der ambulanten und stationären Altenpflege und an die Beschäftigten in den Krankenhäusern.

Für die Auszahlung der Prämie wurden Kriterien festgelegt, die dazu führen, dass beispielsweise Pflegehelferinnen, Reinigungskräfte, Angestellte von Transportunternehmen oder Mitarbeiterinnen in Laboren und in den Notaufnahmen einfach vergessen wurden.

„Wir haben Kenntnis von Pflegekräften, die ihre Prämien an die leer ausgegangenen Kolleginnen verteilen wollen – ein beispielloses solidarisches Handeln, was nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass die Verteilungsregularien ungerecht sind“.

„Ein Krankenhaus ist wie ein Uhrwerk, ohne das kleinste Zahnrad läuft nichts. Diese Binsenweisheit sollte endlich in der Politik angekommen sein“, so Becker.

Drit­te Co­ro­na-Prä­mie im Ge­sund­heits­we­sen – ver­.­di kri­ti­siert un­ge­rech­te Ver­tei­lung ver.di Drit­te Co­ro­na-Prä­mie im Ge­sund­heits­we­sen – ver­.­di kri­ti­siert un­ge­rech­te Ver­tei­lung  – Sachsen-Anhalt

Doreen Fiedler aus dem OP, Gesundheitszentrum Bitterfeld/ Wolfen, be-schreibt die Situation so: „Leider ist der 19.12. entweder familiär verplant oder die Kollegen sind arbeiten (so viele gibt es ja nicht mehr). Mehrbelas-tung durch höheren Personalaufwand/ auch wenn nicht vorhanden (bei Coronaverdacht/ Notfall noch nicht getestet/ oder Kontaktpersonen, trotz höheren Patientenzahlen /OP Zahlen). Ohne das gesamte Team funktio-niert ein Krankenhaus nicht! Die Motivation der betroffenen Abteilungen ist im Keller. Außerdem werden gefühlt in unserer Klinik die Daumenschrau-ben verstärkt eingesetzt! Seitdem der Geschäftsführer auch Einfluss auf die Personalverteilung nimmt. Unsere Politiker verschließen die Augen und das Gesundheitssystem ächzt weiter unter der extremen Belastung. Wenn sich in diesem Bereich nichts ändert, muss man sich nicht über den Ausgang mancher Wahlen wundern. Und das wäre furchtbar. Sie müssen endlich aufwachen.“

Und auch Susanne Leibe aus der kardiologischen Funktionsabteilung im Carl-von-Basedow Klinikum Merseburg möchte ihrem Ärger Luft machen: „Auch ich und meine Kollegen in der kardiologischen Funktionsabteilung wurden vergessen. Wir haben viele Coronapatienten untersucht und haben auf den Stationen geholfen, die Versorgung der anderen Patienten zu gewährleisten, da viel Personal ausgefallen war und immer noch ausfällt. Teilweise hatten wir Doppelschichten. Erst bei uns in der Abteilung, danach auf Station. Und auch alle anderen Mitarbeiter (Servicekräfte) haben geholfen, die schweren Zeiten zu meistern.“

Drit­te Co­ro­na-Prä­mie im Ge­sund­heits­we­sen – ver­.­di kri­ti­siert un­ge­rech­te Ver­tei­lung ver.di Drit­te Co­ro­na-Prä­mie im Ge­sund­heits­we­sen – ver­.­di kri­ti­siert un­ge­rech­te Ver­tei­lung  – Sachsen-Anhalt

Sandra Neumann aus dem SANA Klinikum Zwenkau beschreibt die Situation so: „Wir haben in den ganzen Jahren, vom Ausbruch 2019 bis jetzt, durchgängig gearbeitet. Nicht nur in unseren Abteilungen, sondern auch auf den Corona-Stationen. Wir haben tatkräftig unser Haus auf allen Stationen unterstützt, haben Dienste übernommen, sowie unsere eigenen Abteilungen am Laufen gehalten. Trotzdem wurden wir vergessen.“ Sie und rund 2.000 weitere Kolleginnen fordern die Auszahlung der Corona-Prämie für alle Berufsgruppen, die an der Versorgung von Covid-19-Patienten beteiligt waren.

Roman Laue, Physiotherapeut am Südharzklinikum Nordhausen, beschreibt die Situation so:
„Wir, die Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten, haben sowohl in unserer Reha- Abteilung als auch auf Normal bzw. Intensiv-Stationen Corona Patienten mobilisiert, durchbewegt und Atemtherapie durchgeführt. Aus unserer Sicht haben wir alle einen großen Anteil an der Genesung der Patienten zu verzeichnen. Jetzt ist es an der Zeit, dass wir auch etwas vom Corona Boni abbekommen.“

Susanne Oschmann, Betriebsratsvorsitzende am HELIOS Klinikum Gotha ergänzt:
„Der Pflegebonus hat zu einer Spaltung der Berufsgruppen geführt. Ein Krankenhaus funktioniert nicht nur mit der examinierten Pflege am Bett. Es geht nicht ohne Krankenpflegehelfer, ohne Reinigung, ohne IT, ohne Physiotherapie, ohne Mitarbeiter*innen in Funktionsbereichen wie den Herzkatheter-Laboren. Auch wurden die wichtigsten "Erstkontakte" nicht berücksichtigt wie z.B. Ärzte, Notaufnahmen, Rettungsdienste oder Röntgenabteilungen. Das ist eine extreme Ungleichbehandlung innerhalb einer Klinik. Herr Lauterbach hätte besser nichts gemacht, als so einen Unfrieden unter den Mitarbeiter*innen zu stiften.“

Sie und rund 2.000 weitere Kolleginnen fordern die Auszahlung der Corona-Prämie für alle Berufsgruppen, die an der Versorgung von Covid-19-Patienten beteiligt waren.

Die Gewerkschaft ver.di hat in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen circa 2.000 Beschäftigte aus dem Gesundheitswesen auf Foto-Bannern versammelt. Die Collagen werden am 19. Dezember 2022 im Beisein von Betroffenen an die nachfolgend genannten Vertreter*innen der Regierungsparteien überreicht.